Einführung
Diesen Beitrag möchte ich gerne mit der Diskussion einiger Herausforderungen des vorliegenden Projekts beginnen.
Mit Kopfsprung.blog versuche ich, wie angesprochen, einen riesigen Spagat zwischen Unterhaltung, Bildung und Wissenschaft zu vollführen.
Ich merke bereits jetzt, dass mich dieses Spannungsfeld wahrscheinlich über die ganze Zeit hinweg begleiten wird. Deshalb möchte ich es auch nun schon offenlegen und transparent ansprechen. Ich versuche auf Dir auf möglichst eingängige Art und Weise komplexe Sachverhalte nahezubringen. Es ist nicht nur mein Ziel, zu unterhalten aber auch 😉
Der zweite Punkt, welcher mir sehr am Herzen liegt, dreht sich um folgenden Umstand: In Gesprächen mit Freunden und Bekannten während der letzten Woche fiel immer wieder die folgende oder ähnliche Bemerkungen: „Das hast Du ja in deinem Podcast erzählt.“ Mein Gedanke dazu: „Klar, das habe ich. – Habe ich das?“
Spannenderweise war ich mir bis zu diesem Punkt nicht wirklich bewusst, dass mir effektiv Menschen zuhören oder sich mit meinem Blog beschäftigen werden.
Dies löst gemischte Gefühle in mir aus:

• Da ist starke Freude, da ich die Möglichkeit habe, etwas von mir mitzuteilen,
• aber auch Unsicherheit gesellt sich dazu. Was wenn ich das Gewünschte nicht so gekonnt umsetzen kann, wie ich es mir erhoffe?

Bereits vor der Ausstrahlung der ersten Episode habe ich mit Vertrauten darüber gesprochen, dass ich mich in diesem Projekt auf eine mir unbekannte Art und Weise exponieren werde. Ich werde von mir und dem, was mich beschäftigt und begleitet im Netz erzählen. Wer mich etwas näher kennt, weiss, dass es keine meiner Stärken ist, viel von mir preiszugeben. Ich bin keine „Rampensau“. Daher kostet es mich einige Überwindung, die zweite Podcast-Folge, wie sie ist ins Netz zu stellen. Ich bin in jedem Fall gespannt, wie sich dies entwickeln wird. Vielleicht fragst Du dich jetzt: Warum spricht er diesen Punkt an? Ich möchte auch diesen Umstand einfach transparent machen.
Mein Kopfsprung soll sich nicht nur um den momentanen Gegenstand drehen, sondern auch weitere, der eigentlichen Materie übergeordnete, Gegebenheit mit in den Prozess einbinden. Meine Grenzen habe ich festgelegt und ich werde auch zu meinem Schutz und der Sicherheit meines Umfelds einige Anteile der Podcasts und Blogs entsprechend zu gestalten.

Generelles Update
Heute ist mein elfter rauchfreier Tag. Ich lebe noch. Ich bin nicht rückfällig geworden. Ich atme freier. Es geht mir den Umständen entsprechend gut.
Den Rauchstopp in die Ferien zu legen, schien mir vorab eine gute Idee. Mit dem Snowboarden eine gute und grosse Ablenkungsquelle zur Verfügung zu haben, erfüllte mich mit grosser Sicherheit. Was sollte da schon schiefgehen?
Leider spielten die Umstände nur begrenzt mit, an drei der sechs Tage war ich gar nich auf der Piste.
Dies lag am Wetter, Sturm, Schnee, Lawinen etc.
Folglich hatte ich genug Zeit um mal wieder richtig viel zu schlafen und mich intensiv mit dem Prozess des Nicht-Rauchens auseinanderzusetzen.
Wie lief das Aufhören im Allgemeinen?
Das Aufhören im Allgemeinen fiel mir sehr leicht. Bereits am ersten Tag hüpfte ich mit einem breiten Grinsen aus dem Bett und startete voller Optimismus in den Tag.
Ich merkte von Stunde zu Stunde, wie mein Körper sich erholte und wieder gesund wurde.
Stopp! – Das ist die Wunschgeschichte, welche ich Dir eigentlich gerne erzählen möchte. Doch ganz so war es nicht.
Die ersten Tage waren für mich enorm anstrengend, da ich mich permanent schlapp und ausgelaugt fühlte. In den kurzen Phasen, in welchen dies nicht der Fall war, verhielt ich mich erstaunlich aufbrausend und war leicht reizbar. An dieser Stelle möchte ich den Menschen, welche mich durch diese Ferienwoche begleitet haben, von Herzen danken, dass sie mich nicht draussen im Schnee schlafen liessen. Denn verdient hätte ich es auf jeden Fall. Ferner hatte ich durch den Umstand, dass ich einen Grossteil des Tages auf der Couch oder im Bett verbrachte, einen negativen Nebeneffekt. In der Nacht schlief ich nur wenig und nicht mit der gewohnten Qualität und so kam es mehr als ein Mal vor, dass ich Fingernägel kauend auf dem Balkon auf und ab tigerte und den Mond anheulte. Ehrlich: Letzteres ist Humbug, aber das Nicht-Durchschlafen können, war etwas völlig Neues und enorm Kraftraubendes für mich.
Abgesehen davon habe ich mein „Kompensationsverhalten“ während der Tage ohne Snowboarden von Fisherman’s Friends erheblich ausgeweitet. Am ersten Tag, an welchem die Bahnen aufgrund von Sturm geschlossen blieben, stand ich bereits um 9:00 Uhr im Coop und kaufte Süssigkeiten und weitere ungesunde Dinge en masse.
Kurz später hatten die ersten zwei Stücke Cheesecake haben bereits ihren Weg in meinen Magen gefunden.
Aber halt: Diesen Monat höre ich erst mal auf zu rauchen, ergo ist die liebe Ernährung etwas, worüber ich mir erst in zwei Monaten Sorgen machen muss.
Auch die schon erwähnten Fisherman’s Friends machen guten Job! Bin schon ganz süchtig danach.
So, nun aber auch zu den positiven Dingen:
Ich würde behaupten, dass das Aufhören von Tag zu Tag leichter wird.
Die neue Gewohnheit bildet sich.
Gleichzeitig treten die ersten Belohnungen auf.

1. Ich schmecke wieder mehr
2. Ich stinke nicht mehr
3. Ich habe mehr Zeit
4. Ich kann mich in den Pausen auch mit nicht rauchenden Menschen umgeben.
5. Ich habe mehr Geld zur Verfügung um z.B. Kaffee zu trinken.
Diese Liste liesse sich spielend verlängern, aber vorerst sind das die wichtigsten Punkte.

Auch die Hürde, das neue „Nicht-Raucher-Verhalten“ in den Alltag zu integrieren.
Der Transfer vom Ferien-Setting in den gewohnten Alltag hat mich erneut herausgefordert.
So viele Situationen und auch Orte, in welchen ich ständig geraucht habe.
Ich habe es mir nun zum Ritual gemacht, mich immer wieder über den Tag hinweg mit einem Fisherman’s Friend im Mund an die frische Luft zu stellen und zwei bis drei „Gute-Laune-Songs“ zu hören. Dies ist eine wirklich gewinnbringende Kombi. Denn auch Nicht-Raucher brauchen offenbar ab und an mal eine Pause.
Nun möchte ich gerne zu den spezifischen Werkzeugen kommen, welche ich in der letzten Folge diskutiert habe.

Spezifisches Update
Die erarbeitete Theorie half mir vor allen Dingen in der Vorbereitung und während des ersten Schritts zum Nicht-Raucher stark weiter. Nur so war es mir möglich, mein ganz individuelles Modell der Abhängigkeit zu verstehen. Daraus konnte ich dann hilfreiche Gegenmassnahmen und konkrete Handlungspläne ausarbeiten. Ich spreche hier also vorwiegend von der Anpassung des kognitiven Modells der Abhängigkeit auf den eigenen Fall. Auch eine erste Veränderung meiner Einstellung zum Rauchen per se, half mir sicherlich, diese Gewohnheit hinter mir zu lassen. Wenn ich es nicht wirklich satt hätte, könnte ich noch so „aufhören“ wollen, es wäre aufgesetzt und nicht kein wirklicher Wunsch von mir. Daher ist auch diese Veränderung schon vor dem eigentlichen Stopp entscheidend.
Was mich etwas überraschte, war, dass die etwas andere Idee, die Willenskraft über „Accountability Buddies“ zu erhöhen, für mich sehr gut funktioniert. Bei meinen bisherigen Versuchen war es oft so, dass ich schneller als eigentlich gewollt wieder zur Zigarette griff, ohne mich aktiv für diesen Schritt zu entscheiden. Das Accountability-System, welches ich mir eingerichtet habe, stellt mir an diesem Punkt verschiedene Hürden in den Weg. Einerseits die öffentliche Blamage. Andererseits arbeite ich auch mit einem finanziellen Anreiz, welcher bis anhin auch super zieht. Der Impuls: „Ich könnte ja jetzt eine rauchen, NUR eine!“ kann immer wieder mühelos mit „Ist dir eine Zigarette 500.- wert?“ oder „Willst du Kopfsprung.blog bereits jetzt zum Scheitern verurteilen?“ abgeklemmt werden. Bisher kam ich hierzu immer ziemlich schnell wieder auf andere Gedanken.
Ein neues Tool, welches ich gerne diese Woche noch einpacken möchte ist dasjenige der Belohnung. Mit dem „Accountability System“ bestrafe ich mich ja bei einem möglichen Scheitern.
Ich möchte nicht nur „negative“ Anreize vermeiden, sondern auch positive Faktoren nutzen und mich folglich für das Nicht-Rauchen belohnen.
Pro Tag habe ich am Schluss meiner Raucherkarriere etwa CHF 8.- für meine Sucht ausgegeben.
Diesen Betrag werde ich ab jetzt nutzen, um mir selbst als Nicht-Raucher eine kleine oder gar grössere Freude zu machen. Heute ist mein 11. rauchfreier Tag; Also sind schon 88.- zusammengekommen, welche ich nicht ausgegeben habe.
Was ich mit dem Geld machen werde, ist noch offen, aber es schwirren mir bereits jetzt einige Dinge im Kopf herum. Wahrscheinlich gönne ich mir einen schönen Ausflug am Wochenende mit einem guten Mittagessen, welches ich ausnahmsweise mal wieder auswärts zu mir nehmen möchte.
Zum Abschluss dieses zweiten Beitrags möchte ich dir gerne noch ein spannendes Youtube-Video von Dr. Stefan Frädrich ans Herz legen. Ich finde, dass in Bezug auf das Rauchen eine gut zugängliche Einführung zu den Prozessen in unserem Gehirn anbietet.

Bleib stark!