Einführung
Eine leicht von der Sonne angesengte Nase.
Zwei Hände, übersät mit Blasen, Druckstellen und kleinen Rissen.
Ein breites Grinsen im Gesicht.
Zahllose Erinnerungen an ein gelungenes Wochenende.
Update
Ein Postkartentext zum Start. Ich durfte das vergangene Wochenende mit zwei Freunden draussen in der Natur verbringen. Den Laptop endlich mal wieder zu Hause lassen, meine Erreichbarkeit einschränken, frische Luft atmen, Sport treiben, unter freiem Sternenhimmel schlafen. Bei meiner Rückkehr wunderte ich mich über die Stadt, all die Menschen und die Eile. Ohne es wirklich festzustellen, habe ich mich diesem Trubel drei Tage lang entzogen.
Die Ruhe, welche ich in den Bergen erlebte, erfasste auch mein Inneres – eine Wohltat. Gleichzeitig war es auch das erste Mal seit langem, dass ich mein selbst erbautes Gehege der ständigen Geschäftigkeit verliess. Dadurch entstand Raum für Gedanken und Gefühle, welche ich ansonsten durch genau diese Geschäftigkeit im Zaum halte. Das Nicht-Rauchen war plötzlich wieder ein Thema, da ich den Versuchungssituationen nicht mit meinen gewohnten Strategien begegnen konnte. In der Folge sah ich mich gezwungen, mich damit noch tiefgreifender auseinanderzusetzen. Ich versuchte, mit den bereits gewohnten Achtsamkeitsübungen den Situationen zu begegnen und dies klappte erstaunlich gut. Gleichzeitig war ich auch dankbar, dass ich mich selbst von meinem Verlangen distanzieren konnte.
Trotz dieses Erfolgserlebnisses war ich überrascht, dass sich veränderte Umstände dermassen direkt und stark auf mich auswirken würden. Von wirklich „über den Berg sein“ kann jedenfalls noch keine Rede sein. Das neue Muster, welches ich mir angewöhnen möchte, braucht noch mehr Zeit, um sich noch mehr zu automatisieren. Und gleichzeitig ist dieses gelegentliche subtile Verlangen eine Erinnerung an genau diesen Umstand, welche mir hilft, weiterhin wachsam zu sein. Allerdings bin ich bereits ziemlich weit weg davon, willentlich rückfällig zu werden. Egal, welche Impulse von aussen an mich herangetragen werden.
Die alkoholbezogene Nüchternheit war wiederum leicht zu bewältigen. Auch hier stellte ich jedoch fest, dass ich, gerade an freien Tagen oder in den Ferien, häufiger zum Bier greifen würde. Dieses „Glüschtli“ liess sich mit alkoholfreien Varianten desselbigen ohne Schwierigkeiten überbrücken.
Das generelle Energielevel ist momentan etwas labil, aber tendenziell eher im hohen Bereich; ich fühle mich leistungsfähig und freue mich über die Fortschritte, welche beobachtbar sind.
Warum? – Nochmal.
In der letzten Woche erhielt ich einen Input, der mich wirklich weitergebracht hat. – Erneut danke ich herzlich der Person, welche mir diesen kritischen und wohl durchdachten Kommentar zukommen liess!
Ich gebe mir im Folgenden alle Mühe, diesen nun korrekt darzulegen.
Die kommentierende Person spricht folgenden Punkt an. In der vorletzten Ausgabe dieses Formats gehe ich darauf ein, dass mein Umfeld nicht nur begeistert war, als ich eröffnete, als Teil dieses Projekts auf Alkohol verzichten zu wollen.
Dieser Kritik bin ich in der genannten Folge vorwiegend mit dem Argument, dass der Alkohol eine grosse gesellschaftliche Akzeptanz hat, begegnet.
In der Nachricht spricht die Person auch an, dass es doch viele weitere Gründe gibt, welche nennenswert wären. Einige Fragen, welche die kommentierende Person in den Raum stellt, schienen mir besonders wertvoll, warum ich sie an dieser Stelle gerne paraphrasieren möchte:

• Warum schliessen sich ein Tag in den Bergen und Alkohol gegenseitig aus?
• Warum brauche ich den vollkommenen Verzicht und dessen Strenge?
• Warum bin ich so streng in meinen Wertungen über mich?
• Warum denke ich, dass Verzicht hilft, sich selbst zu finden?

Diese Fragen können unangenehme Wahrheiten zutage fördern.
Es würde einerseits sicherlich den Rahmen dieser Podcastfolge sprengen, wenn ich sie rest- und lückenlos beantworten wollte.
Andererseits sind vor allem die letzten drei Fragen sehr persönlicher Natur, was mich zögern lässt, die Gedanken dazu öffentlich zu teilen. Nichtsdestotrotz, oder gerade deswegen, haben sie mich stark zum Nachdenken angeregt und ich werde für mich persönlich diesen Fragen im Hintergrund weiter nachgehen und diese noch vertiefter reflektieren.
Dies finde ich wichtig, da diese Fragen darauf abzielen, das eigene Handeln zu ergründen und so auf einer noch fundamentaleren Ebene zu verstehen.
Der Kommentar schliesst mit einer sehr treffsicheren Aussage, welche ich gerne sinngemäss hier aufnehmen möchte: Die Frage nach „dem Warum“ oder „den Warums“ ist vielleicht nicht so einfach zu beantworten, wie du dir dies vielleicht wünschst. Sie sind meist wirklich schwer in Worte zu fassen und wirken aufgrund dessen manchmal simpler, als sie es in Wahrheit sind. Ein Warum kann so allumfassend sein: Ein Gefühl für die Situation, für den Menschen und sich selbst.
Ich möchte den Kommentar an dieser Stelle gar nicht gross weiter kommentieren, da er mir als Input wichtig, nennenswert und valide erscheint. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, ihn möglichst unverfälscht in dieses Format aufzunehmen. Hoffentlich ist mir dies gelungen.
Merci, dass ich und nun auch die Community an diesen Gedanken teilhaben durften! Genau an solchen weiteren Perspektivenwechseln kann ich wachsen, da sie mir die Möglichkeit bieten, blinde Flecken, welche ich zweifelsohne habe, aufzudecken.
Allgemein möchte ich an dieser Stelle für den regen Austausch danken, welcher durch dieses Projekt ins Rollen gekommen ist. Ich freue mich auch weiterhin darüber, dass Du mir eine Rückmeldung gibst , wenn dir etwas besonders gefallen, wenn dich etwas besonders angeregt, aufgeregt oder gestört hat. Auch für einen Meinungsaustausch bin ich enorm dankbar.
Weiterführende Ressourcen aus Sober Curious
Während der letzten Tage habe ich mich erneut mit weiterführenden Ressourcen aus dem Buch Sober Curious auseinandergesetzt. Zwei davon möchte ich Dir gerne ans Herz legen, wenn auch Du dich weiter mit Alkohol, Nüchternheit und dergleichen befassen möchtest.
Einerseits bin ich auf einen Podcast mit Ruby Warrington, der Autorin des Buches gestossen. Die Audioqualität ist nicht der Hit, aber die Inhalte und angeschnittenen Gesprächsthemen sehr interessant. Sie vermitteln einen weiteren Einblick hinter die Kulissen und ermöglichen eine noch grössere und umfassendere Einordnung des Buches.
Andererseits die Dokumentation von HBO namens „Risky Drinking“, welche Menschen mit unterschiedlichen Alkoholkonsummustern portraitiert. Ich möchte hier gar nicht zu viel verraten. Es ist einfach interessant, in die unterschiedlichen Lebenswelten dieser Menschen einzutauchen, deren Schicksale zu erfahren und Geschichten zu hören.
Forschung Alkohol
Letzte Woche habe ich angekündigt, heute einen Überblick zur Forschung in diesem Bereich zu geben.
Auch diese Woche möchte ich es bei dieser Ankündigung belassen, da ich momentan anderweitig stark eingespannt bin.
Ferner bin ich mir nicht ganz sicher, was ich mit diesem Vorhaben bezwecken möchte und welche Literatur überhaupt von Interesse ist.
Diesbezüglich möchte ich mir gerne noch etwas Zeit zur Recherche und Raum für Gedanken lassen, damit das Resultat dann auch stimmig ist.
Vielleicht werde ich bei diesem Prozess aber auch zum Schluss kommen, dass es illusionär und nicht sinnvoll ist, ein dermassen komplexes und viel beforschtes Thema dermassen zu komprimieren.
Auch diese Möglichkeit möchte ich mir bewusst offenhalten.
Mehr dazu nächste Woche im letzten Teil zur Thematik des Alkohols.