Intro
Ich lese auf der Website einer grösseren deutschen Tageszeitung einen Artikel über Minimalismus.
Von einer Sekunde auf die andere erstarre ich.
Scrolle runter. – Scrolle hoch. – Stutze. – Breche in Gelächter aus.
Auf der Seite finden sich vier Werbebanner, welche mir personalisierte Inhalte zeigen. Kaufen! – Kaufen! – Kaufen! – Kaufen!
Materialismus und Minimalismus sind eben trotz allem zwei Seiten der gleichen Medaille.

Update
Das Minimalismus-Spiel ist gut angelaufen, es macht Spass und zwingt mich, mit anderen Augen durch mein elf Quadratmeter grosses Reich zu gehen.
Mit liebenden, aber loslassenden Augen.
Trotz meines ohnehin schon eher bescheidenen Lebensstils hat sich in den Hohlräumen zwischen Klettermaterial und dem elektrischen Klavier Gerümpel angesammelt.
Ein Gurkenglas voller Stifte ist mein erster Gegner. Die meisten fasse ich seit meinem Einzug Ende Januar zum ersten Mal an, um ihre Funktion zu prüfen.
Um etwas Momentum zu gewinnen beginne ich hier mal verhältnismässig grosszügig auszusortieren. Aber einige Stifte bleiben im Gurkenglas stehen. Es sind trotz meiner „Säuberungsaktion“ weit mehr als ich wirklich brauche.
Morgen werde ich wiederkommen.
Danach geraten unterschiedliche Krempelablageflächen und meine „Kabelkiste“ in mein Visier.
Die ersten 12 Tage konnte ich gut und ohne weitere Schwierigkeiten hinter mich bringen, indem ich Kleinod entsorgte, von dem ich mich ohne Schwierigkeiten trennen kann.
Aber früher oder später werde ich den Punkt erreichen, an dem es nicht mehr die kleinen, ohnehin unbedeutenden, sondern die etwas grösseren, nicht ganz unbedeutenden, aber auch nicht wirklich wichtigen Dinge sein werden, welche über die Klinge springen. Ich freue mich auf den Moment, in dem ich gezwungen sein werde, das Spreu vom Weizen zu trennen.
Allerdings blicke ich dem Umstand, meine Gitarre, welche ich zwar sehr schätze, aber noch seltener bespiele, aus meinem Leben gehen zu sehen, mit doch sehr gemischten Gefühlen entgegen.
Doch was geschieht mit den Dingen, welche den Weg aus meinem Leben finden? – Wegwerfen, Verschenken, Verkaufen. Das ist die zweite Herausforderung. Nicht nur das Bestimmen der Gegenstände, sondern auch was mit ihnen geschieht, muss aufgegleist werden. Dies braucht auf meiner Seite noch etwas mehr Aufmerksamkeit und Bemühen, sodass dieser Aspekt ebenso in meinem Sinne abläuft.
Ferner stellen sich mir auch Fragen bzgl. des Zählens: Zähle ich nun jeden Ohrstecker, welchen ich wegwerfe? Oder sind alle Ohrstecker ein Objekt? – Bis anhin habe ich nach bestem Wissen und Gewissen versucht, dort Kompromisse zu finden, wo nötig (Beispielsweise zähle ich mein 27-teiliges Stabilo-Set nicht als ein Ding, aber auch nicht als 27, da es mir einfacher fällt, dieses wegzugeben, als 27 „einzelne Dinge“. In diesem Fall habe ich mich entschieden durch einen Faktor von 3 zu dividieren und gleich meinen 9. Tag mit diesem Set zu füllen.). Meiner Meinung nach gibt es hier keine richtige oder falsche Antwort, aber ich möchte versuchen, das Schwierigkeitslevel meines Projektes genau durch solche Stellschrauben zu regulieren.
Nun aber zum heutigen Theorieblock.

Theorie: Minimalistischer Lebensstil
Minimalismus ist nicht nur Kritik. Kritik an der heutigen Konsumgesellschaft und dem damit verbundenen Materialismus, sowie der Reizüberflutung und der Schnelllebigkeit, welche mit dem Materialismus einhergehen, ins Visier.
Vielmehr geht es darum, das eigene Verhalten in Bezug auf Besitz, Konsumentscheidungen und Beziehungen zu reflektieren. Besitz soll Mittel zum Zweck der Freude und Erfüllung sein und nicht das Streben nach Prestige und sozialem Status befriedigen.
Ich persönlich fühle mich von dieser Beschreibung stark angesprochen, da ich ein aktives Mitglied dieser Gesellschaft bin und, mehr oder weniger bewusst, ihre Werte teile. Die Maxime: „Mehr ist mehr.“
Einmal mehr ist vielleicht mehr nicht mehr. Geiz muss nicht geil sein. Auf drei… zwei… eins… muss nicht zwangsläufig „meins!“ folgen.
Trotzdem fällt es mir schwer, aus diesem System auszubrechen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die materielle Dimension diesbezüglich den kleinen, sichtbaren Teil eines viel grösseren Eisbergs darstellt.
Um diesem Gedanken etwas zu folgen, werden wir heute einen kurzen Blick auf die Anwendungsmöglichkeiten von Minimalismus in unterschiedlichen Lebensbereichen werfen.
Einsteigen möchte ich jedoch gerne mit einem kurzen Gedankenexperiment, welches ich von Leo Babauta übernommen habe und die Funktionsweise von besonderem Genuss illustrieren soll: Dieser Minimalist beschreibt im verlinkten Blogbeitrag, dass es ja schon schön wäre eine volle Badewanne mit Schokoladeneis zu haben. Allerdings führt die schier endlose Menge dazu, dass dem Löffel, welchen man gerade zum Mund führt, weniger Bedeutung zugemessen wird, als wenn es nicht die Badewanne voller Eis, sondern nur diesen einen Löffel gäbe.
Etwas Besonderes zeichnet sich dadurch aus, dass es eben gerade nicht alltäglich ist. Wenn wir nur noch Schoko-Eis futtern würden, verliert es an subjektivem Wert für uns und verkommt zur Selbstverständlichkeit.
Ein kurzes Beispiel aus meinem Leben dazu: Seit einigen Wochen habe ich kein „Shampoo“ mehr, sondern verwende dazu das Duschgel, welches ich auch für den Körper nutze. Dieses macht seinen Job, aber als ich am Wochenende meine Eltern besuchte und in der Dusche ein echtes Shampoo vorfand, war die Freude riesig. Aus einer Selbstverständlichkeit ist etwas Besonderes geworden, worüber ich mich wirklich gefreut habe.
Zurück zum Minimalismus: Konkret möchte ich gerne auf die Implikationen für die Lebensbereiche des Konsums, der Kleidung, des Essens, der Produktivität und auch im Sozialleben eingehen.
Es gibt selbstverständlich viele weitere Felder, allerdings habe ich beschlossen, in diesem Beitrag auf die fünf eben genannten einzugehen, um unterschiedliche Bereiche abzudecken und eine vertiefende Einführung in die generelle Philosophie zu erhalten.

Konsum:
Gemäss Vonhoff, dem Vorsteher des : Berufsverband Deutscher Soziolog*innen ist es zwar schwer quantifizierbar, aber die Lebensform des materiellen Minimalismus ist auf dem Vormarsch in allen Bevölkerungsschichten. Vonhoff erklärt sich dies dadurch, dass die Welt immer komplexer und stressiger wird. Mehr als 20% der Berufstätigen sind von Stress betroffen. Minimalismus kann gemäss Vonhoff als Ventil dienen, den dadurch entstehenden Druck zu reduzieren. Eine wichtige Grundannahme ist, dass man nur begrenzte Zeit und Energie hat, um sich mit Dingen zu beschäftigen. Wenn man folglich weniger Dinge besitzt, bleibt mehr Energie für die Dinge, welche einem wirklich wichtig sind.
Relevant ist es jedoch auch anzumerken, dass Minimalismus keine fixen Grenzen kennt. Abhängig von der Person und deren Lebensumständen, kann der Weg des minimalistischen Lebens ganz unterschiedlich aussehen.
Der folgende Abschnitt stützt sich auf Leo Babauta.
Er vertritt diesbezüglich eine ziemlich radikale Haltung.
Gemäss seiner Idee, soll man versuchen, „Neuanschaffungen“ wenn möglich zu vermeiden.
Ich denke, dass es hier sicherlich Ausnahmen gibt, welche die Regel bestätigen, aber ich finde das Vorgehen, welches Leo in seinem Blog propagiert sinnvoll und wohl durchdacht.
Seine Idee ist es, vor dem Neukauf folgende Zwischenschritte einzulegen:

  1. Nochmals drüber nachdenken: Brauchst du das Ding wirklich oder ist es nur das „haben wollen“, welches dir ein Schnippchen schlägt?
  2. Ausleihen: Es gibt Dinge, welche man nur temporär benötigt wie beispielsweise Bücher, Kleider oder Werkzeuge. Hier könnte es unter Umständen sinnvoll sein, diese auszuleihen oder zu mieten.
  3. Bei Freunden und Familie nachfragen: Fragen kostet nichts. Vielleicht hat jemand in deinem Umfeld genau das, was du suchst und möchte es ohnehin nicht mehr haben? – Ein Versuch ist es wert.
  4. „Freecycle“: Das gleiche Vorgehen wie bei der Familie und den Freunden, aber in einem grösseren Netzwerk. Geben und nehmen.
  5. Gebraucht kaufen: Muss es denn wirklich neu sein?
  6. Selbst machen: Dies mag nicht immer funktionieren, aber es kann eine spannende Alternative zum Neukauf darstellen.
  7. Weiterleben ohne: Abwarten und suchen, ob sich in 1-6 eine Tür öffnet. Häufig findet man erst, wenn man zu suchen beginnt.
    Diese Checkliste hat es in meine „Listensammlung“ geschafft und wird mir vielleicht in Zukunft dabei helfen, der Kaufitis das ein oder andere Mal widerstehen zu können.

Kleidung: (Quelle)
Hier möchte ich gerne das Projekt 333 (gesprochen: Dreiunddreissig drei) kurz vorstellen. Die von Courtney Carver initiierte und über die Doku, welche ich letztes Mal empfohlen habe, weiter verbreite Übung ist folgendermassen aufgebaut: Man soll seine Garderobe für drei Monate auf 33 Teile beschränken. Unterwäsche und Sportklamotten exklusive. Was jedoch zählt ist der ganze Rest: Kleidung und Accessoires. Als auch Gürtel, Sonnenbrille, Geldbeutel.
Im verlinkten Artikel setzt der Autor diese strikten Vorgaben wie folgt um: 7x Hemd, 4x Pulli, 4x Schuhe, 4x T-Shirts, 3x Hose, 3x Jacke, 1x Anzug, 2x Gürtel, 1x Geldbeutel, 1x Sonnenbrille, 1x Armbanduhr, 1x Stofftaschentuch.
Was ist jedoch das Ziel dieser Übung? – Es gehe dabei darum, die Entscheidungen, welche man tagtäglich treffen muss, zu reduzieren, da wir nur eine begrenzte Anzahl Entscheidungen pro Tag treffen können.

Essen: (Quelle)
In diesem Bereich kann Minimalismus auf unterschiedliche Art und Weise gelebt werden: Einerseits weniger Nahrung zu sich nehmen oder aber an der Komplexität der zubereiteten Speisen sparen. Zu letzterem schlägt Babauta vor, dass man so genannte Drei-Zutaten-Rezepte testen soll: Ich finde die Idee zwar interessant, bin jedoch ambivalent, da Nahrung nicht nur funktional, sondern auch Genuss sein kann. Für mich vielleicht weniger geeignet, aber werde dem Ganzen trotzdem mal einen Versuch geben, denn ich habe hier einige gute Ideen wie ein Pesto, eine Teigwarensauce, einen Zitronenpudding, ein Eis und einen Gemüseburger gesichtet und bereits mit dem ein oder anderen geliebäugelt.
Weiter geht der Autor darauf ein, dass man ohne Ablenkung essen soll und sich voll auf dieses Erlebnis konzentriert. Hier besteht bei mir definitiv weiteres Optimierungspotenzial. Als letzter Punkt führt Babauta den Nachhaltigkeitsgedanken an, welcher gemäss ihm am besten über Veganismus umgesetzt wird.
Vielleicht kommt es ja mal dazu, dass wir in der WG mal zum „minimalistischen Z’nacht“ einladen. Ich bin jedenfalls nicht abgeneigt, dies mal mit einigen Freunden zu testen.

Produktivität: (Quelle)
Auch in Bezug auf Produktivität kann weniger mehr sein. Speedreading hat mich immer fasziniert, allerdings habe ich nie Schritte ergriffen um es in Praxis umzusetzen.
Auch hier stellt Babauta eine erfrischend andere These auf. Es geht nicht darum alles schneller, sondern die wichtigen Dinge langsamer machen.
Die Fehlüberlegung innerhalb der Gesellschaft liegt gemäss Babauta darin, dass es einen Stapel von fixer Höhe abzuarbeiten gilt. Dabei geht jedoch unter, dass der Stapel wichtigere und weniger wichtige Aufgaben enthalten kann.
Es wird nichts anderes als das Problem von Effektivität und Effizienz:

  • Effektivität beschreibt die Vorschlaghammermethode: Das Ziel ist es, einen Stein zu verkleinern. Daher gilt es möglichst hart draufzuhauen. Die Schlussfolgerung für Produktivitätsverhalten wäre keine andere als: „Arbeite möglichst hart!“
  • Effizienz beschreibt das Schaffen einer Skulptur mit Meissel und Hammer: Es geht vielmehr darum, die richtigen Dinge möglichst gut und sauber zu erledigen, damit sich ein gutes Gesamtbild zeigt. Hier finde ich das Motto „Arbeite möglichst smart!“ ganz passend.

Gemäss Babauta hat der Umstand, dass wir häufig dem „Hetzen und Hasten“ verfallen das Potenzial, dass wir das grössere Bild zugunsten der Einzelschritte vernachlässigen und auf dem Weg zum grösseren Ziel immer wieder straucheln.
In dieser Situation sei es das Beste, innezuhalten, um darüber nachzudenken, was wirklich gemacht werden muss. Im Anschluss gilt es genau dies zu tun: Die ausgewählten Aufgaben bewusst, langsam und gut zu erledigen.
Ferner geht Leo darauf ein, dass aus intrinsischer Motivation (dem Genuss an der Tätigkeit um ihrer selbst Willen) schnell Produktivität resultiert: Daraus leitet der Minimalist die Devise: „Tu was du liebst!“ ab.
Weiter möchte ich an dieser Stelle gerne auf ein Gedicht verweisen, welches auf Leos Website zu finden ist (Quelle: http://mnmlist.com/simplicity-is-the-path/).

Soziale Kontakte
Minimalismus lässt sich nicht nur auf Besitz und Ähnliches anwenden, sondern ist auch übertragbar auf weitere Lebensbereiche, wie beispielsweise das Sozialleben.
Allerdings möchte ich hier bereits vorausschicken, dass ich diesbezüglich momentan über starke Ambivalenzen verfüge.
Die Menschen in meinem Umfeld sind keine Dinge! – Daher bin ich äusserst kritisch, wenn man mir sagt, dass ein erfülltes Sozialleben über eine Instrumentalisierung meiner Nächsten zu erreichen ist.
Hier wird es meiner Meinung nach unter Umständen ein erstes Mal wirklich heikel.
Der erste Artikel, welchen ich gerne vorstellen möchte, startet mit einer Abgrenzung dessen, was sozialer Minimalismus ist: Sozialer Minimalismus bedeutet nicht, dass …

… man alle Kontakte ausser den fünf wichtigsten kappt.
… man Menschen so lange ignoriert, bis man sie wieder „benötigt“.
… man versucht die Anzahl Freunde und soziale Interaktionen auf ein Minimum zu reduzieren

Die Frage, welcher nachgegangen werden soll, beschäftigt sich mehr damit, wie man die Zeit mit anderen zubringt.
Ist es eine befriedigende Begründung, sich für etwas zu entscheiden, nur aus dem Grund „weil man es immer so macht“?
Wieso nimmt man Einladungen an, welche nicht zu Vorfreude oder sogar zu negativen Emotionen führen?
Es sollte doch das Ziel sein, Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem einerseits den eigenen Zielen näherbringen (Ziel-Relevanz) und einen auf dem Weg dahin unterstützen oder mit denen man einfach gerne Zeit zusammen verbringt, da es Spass macht (Bereicherung).
Es gilt jedoch auch zu berücksichtigen, dass sich Menschen zu schnell verändern und nicht nur positiven, neutralen oder negativen Einfluss auf das eigene Leben ausüben.
Aufgrund von Veränderungen kann es auch zu einem Zusammenwachsen oder Auseinanderdriften kommen. Diese Prozesse laufen ohnehin ab. Nun stellt sich die Frage, wie bewusst man sich damit beschäftigen sollte. Sollen diese Prozesse einfach ablaufen, wie sie ablaufen oder soll man diese aktiv steuern? Geht das überhaupt?
Allerdings sehe ich ein, dass wir tagtäglich Prioritäten setzen. Und wie wir diese setzen, können wir ebenso jeden Tag neu bestimmen. In der Folge würde sozialer Minimalismus weniger zu einem spezifischen Instrumentarium, sondern vielmehr zu einem Mindset, die wichtigen Dinge höher auf die Prioritätenliste zu setzen.
Das Sozialleben entspricht den eigenen Wünschen mehr, wenn man es entsprechend gestaltet. Auch Absagen können aktive Entscheidungen für etwas anderes sein!
Ich denke, dass wir hier an der Oberfläche einer anderen Thematik kratzen, welche weit tiefer geht.
Es braucht nicht nur im Sozialleben, sondern auch in allen anderen Lebensbereichen Mut und Selbstbestimmtheit, sein Leben im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten zu gestalten.
Klar, es gibt auch Situationen, in denen keine oder nur wenig Wahlfreiheiten bestehen. Aber auch diesen Anteil des Lebens kann man in Bezug auf seine Grösse beeinflussen.
Es ist auch okay, Erwartungen an Lebensbereiche zu stellen, welche der eigenen Zeit, der eigenen Energie und Vielfältigkeit gerecht wird. Es geht darum nach eigenen Wertvorstellungen und im Reinen mit sich selbst zu leben. Tut man dies, zieht man Menschen mit ähnlichen Wertvorstellungen an, wodurch ein positiver Feedbackzyklus entsteht.
Ich bin noch nicht ganz überzeugt vom Gedanken und habe weiterhin ein komisches Bauchgefühl, wenn ich diese Zeilen so lese. Aber darüber nachzudenken finde ich entscheidend. Ob, und falls ja, wie ich diese Ideen in Zukunft vielleicht mal leben werde, steht noch völlig offen.
Eine erste Übung aus dem Buch „Minimalism“ von Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus habe ich jedoch bereits begonnen.
Die beiden gehen davon aus, dass Menschen unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf ihre sozialen Kontakte haben. Daher werden auch die eingeschlagenen Wege sehr unterschiedlich aussehen.
Die Vergangenheit kann ferner helfen, die gegenwärtige Situation zu analysieren. Mögliche Fragen dazu:
• Was bereitet mir Freude? – Dies gilt es für die Zukunft auszubauen.
• Was bereitet mir Frust? – Dies gilt es für die Zukunft zu meiden.
Daraus resultiert die Synthese: Wie soll ich mich für die Zukunft ausrichten? Gemäss Joshua und Ryan gibt es drei mögliche Wege zu grossartigen Beziehungen:

  1. Neue suchen
  2. Bestehende transformieren
  3. Sich selbst verändern

Um sich konkret mit seinem persönlichen Umfeld auseinanderzusetzen, schlagen die beiden Autoren vor, dass man eine Tabelle aufsetzt: Diese sollte folgende Angaben für alle Beziehungen enthalten: 1. Spalte: Name; 2. Spalte: Nähe der Beziehung (primäre Bezugsperson, sekundäre Bezugsperson, Peripherie); 3. Spalte: Valenz der Beziehung (positiv, neutral, negativ)
Zur näheren Erklärung der Nähe unterteilt drei soziale „Schalen“:

  • Primäre Bezugspersonen sind die nahestehendsten Menschen: Dazu zählen der Partner oder die Partnerin, die nächsten Freunde und die Kernfamilie.
  • Sekundäre Bezugspersonen umfassen weniger nahestehende Personen: Beispielsweise können ausgewählte Arbeitskolleg*innen, Freunde und weitere Familienmitglieder in diese Kategorie fallen.
  • Die Peripherie enthält alle weiteren Nebendarsteller des täglichen Lebens: Weitere Arbeitskollegen, Nachbarn, entfernte Familienmitglieder.

Wichtig ist zudem, dass eine grosse Nähe nicht mit einer positiven Beziehung einhergehen muss.
Nachdem man sich diese Überlegungen gemacht hat, soll man einen Blick auf die Tabelle werfen und sich folgende Fragen stellen:

  • Wie viele Beziehungen sind vorhanden? Warum sind es so viele oder so wenige?
  • Wie ist das Verhältnis von primären Bezugspersonen zu sekundären Bezugspersonen und der Peripherie?
  • Wie ist die Valenz verteilt?

Natürlich reicht es nicht aus, diese Gruppen einfach anzusehen. Man muss auch im Alltag handeln, damit sich etwas verändert. Dazu schlagen Joshua und Ryan vor, sich zu überlegen, welche Menschen man gerne von einer Gruppe in eine andere bewegen möchte (Positive Beziehungen stärken, negative eher in den Hintergrund rücken). Im Leben gilt es den Fokus zuerst auf primäre Bezugspersonen, dann die sekundären Bezugspersonen und zuletzt auf die Peripherie zu lenken.
Ein weiterer Weg, sein Beziehungsnetz zu verändern, ist es, sich selbst zu verändern: Ein schöner Spruch dazu lautet wie folgt: „You can’t change the people around you.“ aber „You can change the people around you.“ Man soll nicht versuchen, die Eigenschaften der Menschen im Umfeld zu verändern, aber man kann beeinflussen, welchen Stellenwert sie im eigenen Leben einnehmen. Ferner kann eine Veränderung der eigenen Person zu Veränderungen im Umfeld führen.
Auch diese Quelle geht auf die Wichtigkeit von Wertvorstellungen ein. Durch Veränderungen der Werte kann es passieren, dass neue Beziehungen entstehen, aber auch alte vorübergehen können.
Da wir aber nicht nur ein Spielball der Welt darstellen, können wir auch unsere Wünsche und Nicht-Wünsche für künftige Beziehungen zu Papier bringen.

Abschluss
Ich habe mal versucht für mich so eine Tabelle zusammenzustellen. Allerdings fiel mir das erstaunlich schwer und hinterliess einen bitteren Nachgeschmack, welchen ich aber noch nicht näher betiteln kann. Das Nachdenken über diese Schwierigkeiten ist eine Hausaufgabe, welche ich mir für die nächste Woche einpacken werde.
Nächste Woche möchte ich ferner noch weiter und vertiefter auf weitere Bereiche aus dem Buch „Minimalism“ von Joshua und Ryan eingehen.
Einmal mehr war es mir eine Ehre, Dir diese Überlegungen mitgeben zu dürfen.