Seit dem ersten Weihnachtsfest im kleinen Kreis vor mehr als einer Woche herrscht bei mir der Ausnahmezustand.
Das Semester ist vorerst abgeschlossen, die Lernphase hat noch nicht wirklich begonnen.
Es sollte zwar viel getan werden, wenig wird es aber tatsächlich.
Viel zu sehr bin ich im Modus des Geniessens angekommen und geniesse das Geniessen selbst.
Aufgrund dessen bleibt mein momentanes Erleben häufig sehr präsensbezogen. Zukunft und Vergangenheit dürfen auch mal ruhen.
Zu Hause auf der faulen Haut liege ich allerdings trotzdem nur selten. Ich habe die Möglichkeit viele spannende Erfahrungen zu machen. So ging ich trotz der Feiertage arbeiten, besuchte Freunde und meine Familie.
Auch diese Menschen, Orte und Aktivitäten dürfen Zeit und Energie in Anspruch nehmen. Die alltäglichen Pflichten mögen rufen, aber sie werden es auch morgen oder übermorgen noch tun. Nicht immer und überall gilt es speditiv, produktiv, kreativ, innovativ und flexibel zu sein.
Ich stelle vermehrt fest, dass ich es momentan leid bin, mich zu Dingen zu zwingen die für den Moment weder dringend noch wichtig sind. Sie mögen es zwar werden, sind es aber jetzt nicht. Und genau das ist der entscheidende Punkt. Diese Überdrüssigkeit lässt sich schnell und gut in eine adaptive Haltung umwandeln, die dazu führt, dass ich auch mal fünf gerade sein lassen kann. Das fühlt sich gut an.
Ich möchte gerne auf meinem weiteren Weg mehr Mut dazu haben nein zu sagen, wenn zusätzliche Aufgaben meine Ressourcen übersteigen und mich unnötig oder übermässig unter Druck setzen.
Immer wieder konnte ich feststellen, dass es mich viel mehr verletzt, wenn andere leere Versprechungen machen und nicht einhalten, statt wenn mir jemand von Anfang an zu verstehen gibt, dass etwas nicht auf dem Weg klappen wird, wie ich es mir vorstelle oder eine Einladung, ein Angebot oder sonst was ausschlägt.
Gerne möchte ich auch anderen diese Transparenz, diese Ehrlichkeit und diese Form der Wertschätzung entgegenbringen. Ich möchte mich im Rahmen meiner Möglichkeiten engagieren. Daher denke ich, dass es jedoch auch eine Notwendigkeit darstellt, sich von weniger essentiellen Dingen zu verabschieden oder sich zumindest temporär gegen sie zu entscheiden.
Ein bewusstes, verlässliches und engagiertes „Ja“ bedingt auch ein ebenso bewusstes, verlässliches und engagiertes „Nein“ zu allen anderen Optionen.
Dies ist für mich der Impuls zur gegenwärtigen Woche, den ich gerne in meine Lebenspraxis aufzunehmen suche.
Jetzt habe ich mich dazu entschieden, morgen wieder einmal draussen klettern zu gehen und daher muss ich mich nun langsam auf den Weg machen, um ins Tessin zu reisen. Daher werde ich diese Ausgabe von Kopfsprung.blog an dieser Stelle schliessen.
Ich wünsche Dir alles Gute im neuen Jahr und freue mich, wenn wir uns auch im 2020 wieder regelmässig begegnen oder zumindest voneinander hören würden. Vielen Dank für Deine Zeit und Deine Aufmerksamkeit!
Und ach ja, mit der Meditation läuft es soweit auch ganz gut. Ich merke, dass die Gewohnheit sich langsam zu etablieren beginnt und auch erste kleine Momente der Gelassenheit entstehen.