Einführung
Bereits der elfte Monat unseres Kopfsprungs neigt sich dem Ende zu.
Mittlerweile habe ich den Überblick verloren, wer diese Zeilen noch liest oder mir noch zuhört. Ist dies denn wichtig? – Eine schwierige Frage. Für wen tu ich denn das, was ich hier veranstalte? – Eine weitere schwierige Frage. Diese zwei von vielen weiteren wichtigen, aber schwierigen Fragen möchte ich gerne so im Raum stehen lassen. Wir werden im Verlauf der heutigen Episode einmal mehr darauf zurückkommen, denn ich möchte neben dem wöchentlichen Bericht gerne einen Impuls aufnehmen, der sich ebenfalls mit Fragen ähnlicher Art beschäftigt. Nun aber zuerst zur kurzen Rückschau auf den vergangenen Monat und einige Überlegungen zu möglichen Beweggründen menschlichen Handelns.

Rückschau
In den vergangenen drei Wochen habe ich einmal mehr angefangen zu meditieren. Dies klappt so weit gut, auch wenn ich momentan erhebliche Schwankungen in der Qualität der Meditation feststellen kann. Manchmal bin ich gestresst und setze mich einfach „aus Gewohnheit“ oder „der Gewohnheit zuliebe“ für fünf Minuten nieder. An anderen Tagen habe ich Kapazitäten vorrätig. An diesen setze mich wirklich aus Lust auf mein Kissen. Die Erfahrung zeigt, dass ich mich an letzteren Tagen leichter auf das was da ist konzentrieren kann. Letztere Tage sind sicherlich auch genussvoller und fühlen sich qualitativ hochwertiger an, als die ersteren. Allerdings denke ich, dass auch den Tagen der ersten Sorte eine grosse Wichtigkeit für die Praxis im Allgemeinen, wie auch den Fortschritt im Spezifischen zukommt. Machen wir eine Sport-Analogie: Gehen wir nur bei schönem Wetter laufen, so werden wir unter Umständen früher oder später eine bessere Kondition aufbauen können. Trotzdem ist davon auszugehen, dass das Training von „Profi-Läufern“ nur unwesentlich vom Wetter abhängig ist. So lernen diese Sportler sich selbst in etwas schwierigeren Umständen besser kennen und üben sich darin, auch mit suboptimalen Bedingungen umgehen zu können. Übertragen auf das Meditieren bin ich momentan wohl eher in der letzten Gruppe einzuordnen, um bildlich gesprochen mal aus den Startblöcken zu kommen. Ich denke jedoch, dass eine Verschiebung in die Richtung der „Schönwetter-Meditation“ auf längere Frist durchaus möglich sein wird.
Des Weiteren finde ich es jedoch auch wichtig, die beiden Vorgehensweisen nicht absolutistisch gegeneinander zu werten. Stattdessen ist es meiner Meinung nach sinnvoller, abhängig vom konkreten Fall zu entscheiden, welche Herangehenweise Dir mehr zusagt. So kann man, um auf das Sinnbild zurückzugreifen, auch das Laufen aus unterschiedlichen Beweggründen betreiben: Soll es „nur“ die Funktion des Fit-Werdens erfüllen, so ist man sicherlich effizienter, wenn man sich dem regelmässigen Training, unabhängig vom Wetter verschreibt. Es ist jedoch auch möglich, dass jemand das Laufen dazu nutzt, um den Kopf herunterzufahren oder einfach aus Spass an der Freude. Ist dies der Fall, so kann diese Freude vielleicht besser kultiviert werden, wenn man sich nicht dazu zwingt. Häufig sind es wahrscheinlich Mischungen dieser beiden Motivationen, die in der Praxis anzutreffen sind und ich konnte auch nach einigen Überlegungen in meinem Leben keine einzige Aktivität finden, die sich nur aus einem Beweggrund speist.

Impulse
Den kurzen Impuls-Abschnitt, der sich in den letzten Episoden zu etablieren begann, möchte ich auch diese Woche gerne wieder mit in diese Ausgabe von Kopfsprung.blog aufnehmen. In der vergangenen Woche habe ich selbst wieder einmal vermehrt Podcasts gehört und dabei zwei besonders spannende Gedanken tanken können, die ich gerne an dieser Stelle auch an Dich weitergeben möchte.
Der erste stammt aus der Show von Jordan Harbinger, in der er sich mit Cal Fussman unterhält. Das Gespräch dreht sich um vielerlei interessante Themen, aber ich werde besonders hellhörig, als die Herren auf die Thematik der Neugierde zu sprechen kommen. So wird die Idee besprochen, dass wir als Kinder sehr neugierig waren, aber diese wundervolle Eigenschaft über den Lebenslauf und während dem Prozess der Sozialisierung immer mehr einbüssen. Ein kleiner Reminder, der uns vielleicht in Zukunft helfen könnte, auch mal trivial anmutende Fragen zu stellen und unklare Punkte offen anzusprechen. Meiner Meinung nach stellen authentisches Interesse und ehrliche Neugierde auch die Möglichkeit dar, sein Gegenüber wertzuschätzen und beides kann dazu beitragen, dass soziale Beziehungen sowohl tiefgründiger, wie auch befriedigender sind.
Der zweite Beitrag, den ich an dieser Stelle gerne kurz einflechten möchte, bezieht sich auf ein Youtube-Video
von GEDANKENtanken, in welchem Daniel Enz sich der Frage nach dem „was man wirklich will“ annimmt. Hieraus möchte ich gerne einen Gedankengang aufgreifen.
Dieser umfasst drei wichtige und auch tiefgreifende Fragen, denen man vielleicht ab und an einige Zeit widmen sollte um den „Lebenskurs“, den man momentan verfolgt, zu prüfen und in der Folge vielleicht nicht, vielleicht ein wenig, vielleicht aber auch stark anzupassen.

  1. Was tu ich gerne?
  2. Was kann ich gut?
  3. Was will ich?

Drei kurze, simpel anmutende Fragen der Sorte, die man sie auch anderen stellen kann. Im ersten Augenblick hatte ich den Reflex, all diese Fragen als trivial und langweilig abzutun. Vielleicht war es die übriggebliebene Neugierde, die mich davon abhielt und mir dadurch eine sehr vielschichtige und bereichernde Erfahrung mit mir selbst ermöglichte. Nach der anfänglichen Ratlosigkeit begannen die Ideen zunächst zu tröpfeln, aber der Gedankenfluss nahm stetig zu und verwandelte sich in einen regelrechten Schwall an Ideen, Gedanken, Vorstellungen und Werte. Ich war danach auch damit beschäftigt, die Gedanken in unterschiedliche Kategorien einzuteilen. Beispielsweise habe ich versucht festzustellen, welches nun „objektivierbare Fakten“ sind und bei welchen Einfällen es sich möglicherweise um meine Verzerrungsmuster und blinden Flecken handeln könnte. Kurz lässt sich festhalten, dass diese Auseinandersetzung etwas in Bewegung gesetzt hat, das ich als wertvoll und „teilenswert“ eingestuft habe.

Fazit
Mit diesen Impulsen verabschiede ich mich nun vom elften Kopfsprung-Monat und danke Dir für deine Treue und einmal mehr für deine Aufmerksamkeit.
Nächste Woche nähern wir uns mit hoher Geschwindigkeit dem Eintauchen, das jeden Kopfsprung abschliesst.